Energiewende: Chance oder Fluch?
swb-Chef Torsten Köhne referiert beim Wirtschaftsforum Bremen/Nordwest

Die Energiewende begegnet einem fast täglich in der medialen Berichterstattung. Es ist ein vieldiskutiertes Thema – sowohl gesellschafts- und umweltpolitisch, als auch in Bezug auf den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Bundesregierung hat in ihrem Energiekonzept festgelegt, in welchen Bereichen und durch welche Maßnahmen Deutschland den Umstieg auf erneuerbare Energien und letztendlich dadurch seinen Beitrag zur Einschränkung der Klimaerwärmung erreichen möchte.
Wie ein regionaler Versorger seine Position in diesem Veränderungsprozess findet, darüber sprach swb-Vorstandsvorsitzender Dr. Torsten Köhne mit Mitgliedern des Wirtschaftsforum Bremen/Nordwest e.V. (WBN), die ihn im Anschluss an ihre Mitgliederversammlung zu einem Vortrag und anschließender Diskussion einluden.
Köhne ist seit Januar diesen Jahres Chef der Bremer swb und im Vorstand der Oldenburger EWE. Bevor er in seinem Vortrag auf die Situation seines Unternehmens einging, verschaffte er den Anwesenden erst einmal einen Überblick über das Energiekonzept der Bundesregierung und über die Funktionsweisen des Strommarktes.
Erstaunen lösten die Rechenbeispiele aus, in denen Torsten Köhne darstellte, was bisher erreicht wurde und vor allem, was noch erreicht werden müsste, um die Ziele des Energiekonzeptes zu erfüllen. So gäbe es bisher deutschlandweit insgesamt rund 4.500 Elektrofahrzeuge. Um die Vorgaben zu erreichen, müssten rein rechnerisch ab sofort bis 2020 monatlich 20.000 Elektrofahrzeuge neu zu gelassen werden. Weitere Baustellen sieht Köhne in den Investitionen für den Netzausbau. Zum einen ständen mit rund 42 Milliarden Euro immense Kosten dafür an. Und zum anderen, was wiederum die regionalen Versorger betrifft, müssten die kleinen Verteilnetze der steigenden Anzahl an Erzeugungsanlagen angepasst werden. Konkret hieße das: Immer mehr Haushalte setzen sich selber Photovoltaikanlagen auf das Dach und würden so zum Stromerzeuger. Der so erzeugte Strom müsse in die Stromnetze eingespeist werden, wofür diese aber in diesen Dimensionen gar nicht ausgebaut seien. Auch hier würden also Investitionen warten.
Die gesamte Energiewende müsse aus umweltpolitischer und nicht aus wirtschaftspolitischer Sicht betrachtet werden, so Köhne. Aber natürlich müssen die regionalen Stromversorger sehen, wie sie sich in diesem Spannungsfeld aufstellen, um den Vorgaben des Energiekonzeptes Rechnung zu tragen und trotzdem wirtschaftlich zu arbeiten.
Die swb, so Köhne, habe vor allem mit rund 630 Millionen Euro Investitionen in die Anpassung konventioneller Energien reagiert. Bestehende Kraftwerke würden umgebaut, damit sie effizienter, flexibler und C02-ärmer arbeiten könnten, oder neu gebaut, wie das Weserkraftwerk in Hastedt. Aber auch drei Kraftwerke würden 2013 abgestellt und als „Kaltreserve“ vorgehalten. Zusätzlich würden die Anteile der Onshore-Windenergie ausgebaut, ebenso die Erweiterung der Netze und die Anpassung des Vertriebs. Damit sieht Köhne die swb gut aufgestellt – ob das ausreichen wird und ob das große Ziel: Die Energiewende und das Energiekonzept der Bundesregierung erreicht wird, da mag auch Torsten Köhne keine Versprechen abgeben.
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